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Historie Kleine Kirchengeschichte der ALTKATHOLISCHEN KIRCHE ÖSTERREICHS Zusammengestellt von Schülerinnen und Schülern des altkath. Religionsunterrichts in Salzburg im Rahmen einer Projektarbeit unter Verwendung von Unterlagen unseres Historikers Pfr. Dr. Christian Blankenstein; Schriftleitung Johannes und Matthias Buchner. Unsere Entstehung geht zurück in das Jahr 1870, als beim I. Vatikanischen Konzil in Rom zwei neue Lehren beschlossen wurden: 1. Der Papst ist unfehlbar, wenn er neue Glaubens- und Morallehren offiziell verkündet; 2. Der Papst hat unmittelbare Befehlsgewalt über alle Christen. Viele hielten damals diese neue Lehrmeinung für unvereinbar mit dem Zeugnis der Bibel und mit dem Glauben der alten Kirche. Der wohl bedeutendste Kirchenhistoriker dieser Zeit, Ignaz von Döllinger, ein Vater der Altkatholischen Bewegung, legte mehrere Werke vor, mit denen er beweisen konnte, dass die beiden Lehren theologisch und historisch unhaltbar waren. Wer seinen Zweifel öffentlich ausdrückte, wurde von der römisch-katholischen Kirche exkommuniziert. Die so Ausgeschlossenen gründeten notgedrungen eigene Gemeinden. Eine eigene Kirche wollte man nicht gründen, da man auf die Rücknahme der Konzilsentscheidung aus Vernunft hoffte. Reaktionen auf die Konzilsbeschlüsse in Österreich Am 29. 10. 1870 verabschiedete der „Liberale Verein“ in Ried im Innkreis eine Resolution gegen die Konzilsbeschlüsse. 1871 begründete ein Aktionskomitee eine vorläufige altkatholische Gemeinde in Ried, die ersten Kontakt mit Ignaz von Döllinger aufnahm. In Warnsdorf (heute Tschechien) entstand ebenfalls eine altkatholische Bewegung. Am 8. 10. 1871 wurde der altkatholischen Bewegung in Wien die St. Salvator Kapelle im alten Rathaus überlassen. Am 15. 10. feierte Pfarrer Alois Anton mit über 1000 Menschen dort den ersten altkatholischen Gottesdienst. Einen Tag später belegte der Wiener Fürsterzbischof, Kardinal Rauscher die Salvator-Kapelle mit dem Interdikt (ein röm.-kath. Christ durfte diese Kapelle unter Strafe nicht mehr betreten). Erst am 24. 12. 1969 wurde das Interdikt von Kardinal König aufgehoben. Auch in Warnsdorf und in Ried wurden 1871 die ersten altkatholischen Gottesdienste gefeiert. Die Situation in Österreich nach 1871 Schon 1873 wurde der erste altkatholische Bischof in Deutschland geweiht. Durch den Druck des „katholischen“ Österreichs wurde die Altkatholische Kirche hier erst am 18. 10. 1877 staatlich anerkannt und bekam 1879 ihre erste Kirchenverfassung, durch die das synodale (demokratische) Leben geordnet wurde. Zum altkatholischen Bistum gehörten die Kirchengemeinden Wien, Ried und Warnsdorf. Die altkatholische Kirche Österreichs der Donaumonarchie Die erste ordentliche Synode 1879 hatte u.a. folgende Themen: Teilnahme der Laien an der Kirchenleitung, Aufhebung des Zwanges der Ohrenbeichte, Aufhebung des Zölibates (Priester durften daraufhin heiraten), Einführung der Muttersprache beim Gottesdienst, Abschaffung der Ablässe und des Reliquienkultes. Bis ins Jahr 1924 verweigerte der Staat die Weihe eines altkatholischen Bischofs mit der Begründung, die wenigen Altkatholiken könnten ihn nicht standesgemäß unterhalten. Das Bistum bekam einen provisorischen geistlichen Leiter, einen Bistumsverweser. 1889 schlossen sich weltweit alle altkatholischen Bischöfe in der Utrechter Union zusammen. Der österreichische Bischof wurde erst 1924 aufgenommen. Aus Rücksicht auf die Freidenker beschloss die Synode, dass altkatholische Geistliche Aussegnungen bei Feuerbestattungen vornehmen durften. Nachdem der Rieder Kirchengemeinde drei von den Behörden zugeteilte Gottesdienststätten aus fadenscheinigen Gründen geschlossen wurden, bauten sie unter großen Schwierigkeiten eine eigene Kirche, die sie 1893 einweihten (Bild). Viele altkatholische Geschäftsleute, die anfänglich in Ried beigetreten waren, wurden wieder röm.- katholisch, weil auf Betreiben des Linzer Bischofs den Riedern untersagt wurde, bei Altkatholiken einzukaufen. 1899 bis 1910 traten vor allem in Böhmen 20.000 neue Mitglieder der altkatholischen Kirche bei. Grund war die „Los-von-Rom-Bewegung“, in der sich Sozialisten und Deutschnationale sammelten, die mit dem Denken der röm.-kath. Kirche nicht mehr einverstanden waren. 1902 beschloss die österreichische Synode, vor allen anderen, dass die Trennbarkeit von Ehen bei schwierigen Gründen möglich sei. Mit der Trennung war die Möglichkeit einer zweiten sakramentalen Trauung verbunden. Diese menschenfreundliche Haltung führte dazu, dass in den Jahren 1921 bis 1924 8000 solcher Ehen geschlossen wurden. Die altkatholische Bewegung in Salzburg Der Anstoß zur Gemeindebildung kam bereits 1907 vom suspendierten Priester Hans Kirchsteiger, der den altkatholischen Pfarrer Erb aus Ried nach Salzburg holte. Der erste altkatholische Gottesdienst wurde am 6. Jänner 1907 um 11 Uhr in der evangelischen Christuskirche in der Schwarzstraße gefeiert. Die Kirchen waren damals auch Standesamt und hatten das alleinige Recht auf Eheschließungen, staatliche Trauungen gab es nicht, nur gerichtliche Scheidungen. Besonders geschiedene Frauen fielen dabei in ein gesellschaftspolitisches Loch. Die röm. kath. Kirche verweigerte eine weitere Heirat und somit den Segen Gottes für eine weitere Beziehung. Als Geschiedene lebte man in Schande, war sexuell ausbeutbar und hatte keine soziale Sicherheit. Ebenso gab es viele sozialistische Eisenbahner, die sich von der röm.-kath. Kirche nicht verstanden fühlten und von ihr in ihren demokratischen und liberalen Anliegen nicht Ernst genommen wurden, sie suchten und fanden Heimat in unserer Kirche. Erst 1920 bekamen die Salzburger einen eigenen Seelsorger vor Ort, Franz Marschalt. Am 15. Juni 1922 versammelten sich die Salzburger Altkatholiken zur Konstituierung ihrer Kirchengemeinde zur Wahl des Pfarrers und des Gemeindevorstandes. Die staatliche Anerkennung war am 16. Mai.1922 erfolgt. 1924 wurde der Gemeinde der Marmorsaal im Schloss Mirabell als Kirche übergeben. Das Ende der Donaumonarchie und des altkatholischen Bistums Warnsdorf 1919 wird Pfarrer Adalbert Schindelar von Bistumsverweser Czech nach dem politischen Wegfall des Sudetenlandes mit der Seelsorge der „alpenländischen Gemeinden“ (Graz, Linz, Ried und Wien) betraut. 1920 wählt die erste Synode des österreichischen Bistumsanteiles den Synodalrat. Dieser bestellt Pfarrer Schindelar zum Bistumsverweser. 1921 wird Österreich ein selbstständiges Bistum. Die Zeit der Bischöfe Schindelar und Tüchler 1924 wird Adalbert Schindelar vom Kirchenvolk zum ersten altkatholischen Bischof Österreichs gewählt und 1925 geweiht. Er stirbt ein Jahr darauf. Robert Tüchler wird zum Nachfolger gewählt und in St. Salvator in Wien geweiht. Bischof Tüchler versucht, das äußere Erscheinungsbild der altkatholischen Kirche so „römisch“ wie möglich zu gestalten, da die Altkatholiken in Österreich wenig geschätzt sind und zur Sekte abgestuft werden. Tüchler ist es wichtig, dass die Regierung erkennen soll, dass auch Altkatholiken gute Staatsbürger sind. Natürlich bleiben alle menschenfreundlichen Aktionen und die Offenheit der Kirche erhalten. In den 30er Jahren kommt es zu einer großen Beitrittswelle – darunter auch viele Sozialisten, die im Ständestaat mit der röm.-kath. Kirche große Probleme hatten. Beamte ohne Bekenntnis durften ihren Beruf nicht mehr ausüben. So fanden viele Menschen bei uns Heimat. Ihren Antiklerikalismus und ihre Ablehnung gegen religiöse Formen brachten sie mit. Oftmals traten nur die Männer der Kirche bei, Frauen und Kinder blieben römisch-katholisch. Die Aufnahme der Sozialisten bewahrte deren Familien vor Hunger und sozialer Not. Nur wenige allerdings dankten dies der altkatholischen Kirche durch gottesdienstliche Treue. Somit hat die Kirche in Menschen investiert, ohne einen materiellen oder personellen Gewinn zu machen. Aber sie blieb ihrem Anspruch treu, für den Menschen da zu sein. In der Bonner Erklärung von 1931 wurde die volle Kirchengemeinschaft zwischen Anglikanern und Altkatholiken vereinbart. Die Rolle unserer Kirche nach dem NS Anschluss Mit 1938 beginnt das dunkelste Kapitel unserer Kirche. Die Altkatholiken sandten ihre Huldigungsadresse an Hitler, noch schneller als der Wiener Kardinal Innitzer. Sie erhofften sich als Nationalkirche viele Vorteile von dem neuen Regime. So konnte es möglich werden, dass Pfarrer bei der Synode den Antrag stellten, dass ein Priester, der den Juden hilft, sein Amt verliert, und es wurde von einem Geistlichen vorgeschlagen, einen kornblumenblauen Talar für die Geistlichen und Stolen mit Hakenkreuzen für den Gottesdienst zu verwenden. Allerdings löste das NS-Regime die altkatholischen Frauenvereine, Kirchenbauvereine und andere Organisationen auf und der Religionsunterricht fand unter Schwierigkeiten statt, die meisten Geistlichen mussten in den Krieg ziehen. Als der deutsche altkatholische Generalvikar nach Wien kam, um über ein großdeutsches Bistum Deutschland-Österreich zu sprechen, war man weitgehend bereits gegen die Nazis eingestellt. Die Nähe zum Nationalsozialismus brachte der altkatholischen Kirche mehrere neue Kirchen und Gemeindegründungen. In Salzburg wurde den Altkatholiken 1938 die Schlosskapelle zur Verfügung gestellt, weil ihre sog. Marmorkapelle, der Marmorsaal für die standesamtlichen Trauungen benötigt wurde. Ein neues Selbstverständnis unter Bischof Török Als 1942 Robert Tüchler als Bischof zurücktritt, wird Stefan Török Bistumsverweser. 1947 wählt ihn die Synode zum Bischof, 1948 wird er geweiht. Er versuchte in seiner Amtszeit den Altkatholiken ein neues Selbstverständnis zu vermitteln, das sich aber nicht in Äußerlichkeiten erschöpfte, sondern ein starkes Wir-Gefühl hervorrief. Ein Hauptwerk Töröks ist die Liturgie-Reform in den 50er Jahren, die in einem intensiven Miteinander aller Altkatholiken entstand. Und dies zehn Jahre vor der Liturgie-Reform des II. Vatikanischen Konzils. Die tätige Teilnahme aller Gläubigen am Gottesdienst und der Abschied von einer abgehobenen Liturgie steht im Vordergrund. Der Gottesdienst bekommt eine dialogische Struktur. Nicht der Priester feiert den Gottesdienst, sondern es ist das „heilige Amt der Gemeinde“. Nur wenn eine Gemeinde vorhanden ist, darf der Priester Gottesdienst feiern. Der Priester richtet sich zusammen mit der Gemeinde an Gott. Er ist kein sie bevormundendes oder beherrschendes Gegenüber. Die Zeit nach 1972 Als 1972 Bischof Török stirbt, wird Nikolaus Hummel 1974 Bistumsverweser und 1975 zum Bischof geweiht. In den 80er Jahren beginnt der Salzburger Pfarrer Franz Warnung, zusammen mit der Gemeinde, Anträge zur Zulassung von Frauen in geistliche Ämter an die Synode zu stellen. Die Diskussion um die Frauenordination beginnt. Mit der Diakonenweihe von Dr. Elfriede Kreuzeder am 27. 10. 1991 findet dieser Prozess einen vorläufigen Abschluss, denn an die Weihe von Frauen zu Priesterinnen will man sich zu dieser Zeit noch nicht heranwagen. Zwischen 1990 und 1995 diskutieren die Gemeinden und die Synode das Verhältnis unserer Kirche zu gleichgeschlechtlich liebenden Menschen. 1994 beschließt die Synode, dass gleichgeschlechtlich liebende Menschen in unserer Kirche willkommen sind und in unserer Gemeinde angenommen werden sollen. Das große Bedürfnis der Kirchenvolksbegehren, das eigentlich ein altkatholisches Bedürfnis ist, wurde bis 1995 fast nicht von der altkatholischen Kirche wahrgenommen. 1995 tritt Nikolaus Hummel als Bischof zurück und Bernhard Heitz wird im gleichen Jahr zum Bischof gewählt und geweiht. Bernhard Heitz hatte bei der Befragung vor seiner Weihe eindeutig erklärt, dass er sich der Frauenpriesterweihe nicht verschließen werde und ihm die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ein Anliegen ist. Bis zur Synode 1997 gab es einen intensiven Diskussionsprozess, der kontrovers geführt wurde. Mit 69 Ja-Stimmen bei 82 Stimmberechtigten sprach sich die Synode für die Frauenpriesterweihe aus. Auch die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare wird mit Mehrheit angenommen. 1989 werden die ersten beiden Frauen zu Priesterinnen unserer Kirche geweiht. Am 14. 2. empfängt Dr. Elfriede Kreuzeder die Priesterweihe und am 1. 6. wird Karin Leiter zur Priesterin geweiht. Die Pastoralsynode 2003 bringt neue Impulse für unsere Seelsorge und Spiritualität. Die Wiener Kirchengemeinden organisieren sich neu, aus den bislang sechs Gemeinden werden entstehen vier größere Gemeinden, die seelsorglichen Kräfte und Charismen werden gebündelt, um eine menschengerechte Seelsorge zu ermöglichen. Im Dezember 2003 wird die Kirchengemeinde Nordtirol gegründet, die vorher ein Teil der Kirchengemeinde Salzburg war. Dem Auftrag der Synode 2003 entsprechend, diskutiert die Kirche in vier bischöflichen Konsultationen die Kirchenverfassung und passt sie an die Anforderungen der heutigen Zeit an. Die Synode 2006 verabschiedet einen Großteil der neuen Verfassung. Im Oktober 2007 feiert die Kirchengemeinde Wien Innen ihr 135 jähriges Bestehen. Im Jahr 2007 feiert die altkatholische Gemeinde Salzburg 100 Jahre altkatholischen Gottesdienst und 85 Jahre offizielle Gemeindegründung. |
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