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Altkatholisch, was ist denn das und was ist uns Altkatholiken wichtig?
Warum gibt es denn überhaupt Altkatholiken?


Wer den Namen altkatholisch zum ersten Mal hört, vermutet oft eine extrem konservative Form des Katholizismus dahinter. Das Gegenteil ist jedoch richtig, denn die Altkatholische Kirche ist nach den Idealen der alten Kirche der ersten Jahrhunderte ausgerichtet und die waren sehr fortschrittlich und menschlich. Unsere Entstehung geht zurück in das Jahr 1870, als beim I. Vatikanischen Konzil in Rom zwei neue Lehren beschlossen wurden, die es bis dahin nicht gab: 1. Die Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Sittenlehre. 2. Das Jurisdiktionsprimat des Papstes, d.h. der Papst hat die oberste Gewalt in Leitung, Gesetzgebung und Rechtssprechung der katholischen Kirche. Viele Theologen und Laien hielten diese neue Lehrmeinung für unvereinbar mit der Bibel, dem Glauben der alten Kirche und der kirchlichen Tradition, darunter auch über fünfzig Bischöfe. Sie waren der Überzeugung, dass die katholische Kirche nun neu-katholisch sei, weil sie etwas Neues in den katholischen Glauben eingefügt hat. Denn es galt in der katholischen Kirche der Satz, dass nur das katholisch ist, was immer, überall und von allen geglaubt worden ist. Und das traf auf diese beiden neuen Lehren nicht zu! Wer seinen Zweifel öffentlich ausdrückte, wurde von der römisch-katholischen Kirche exkommuniziert. Viele katholische Christen konnten die Annahme dieser neuen Dogmen nicht mit ihrem Gewissen und ihrer Kenntnis der Kirchengeschichte und des katholischen Glaubens vereinbaren. Sie wurden exkommuniziert. Das empfanden sie als ungerecht. Sie wussten, dass diese neuen Lehren in der alten Kirche unbekannt waren. Sie gründeten deshalb aus der Not heraus eigene katholische Gemeinden. So entstand die Altkatholische Kirche, die mit ihrem Namen auf die alte, ursprüngliche Kirche der ersten Jahrhunderte Bezug nimmt. Sie fühlt sich der alten Kirche verpflichtet - darauf bezieht sich das „alt“ in ihrem Namen.

Bereits in den ersten Jahren nahmen die Altkatholiken weitreichende Reformen vor und versuchten dabei stets, sich auf die Tradition der alten Kirche zurückzubesinnen, in der vieles anders war. Dazu gehörte insbesondere die synodale Struktur, in der alle Gemeindemitglieder volle Mitsprache haben, dazu gehört das eigene Gewissen, Freiheit und Verantwortung.

Deshalb ist uns wichtig:

  • Uns ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche, Frauen und Männer, junge und alte Menschen sich in unserer Kirche wohl fühlen.

  • Uns ist wichtig, dass unsere Gemeindemitglieder und alle, die zu uns kommen, ohne Zwang in ihrem Glauben wachsen können.

  • Uns ist wichtig, dass Geschiedene in unserer Gemeinschaft bleiben und nicht exkommuniziert werden. Sie haben nach wie vor alle Rechte und Pflichten wie jeder andere.

  • Uns ist wichtig, dass jeder Mensche seine Form der Buße finden kann nicht zur Beichte gezwungen wird.

  • Uns ist wichtig, dass verschiedene Formen der Empfängnisverhütung allein in die Verantwortung der Menschen gestellt werden und weder untersagt noch vorgeschrieben werden.

  • Uns ist wichtig, dass Menschen aus anderen Kirchen an der Kommunion teilnehmen können und nicht ausgeschlossen werden, denn Jesus lädt ein, er hätte niemanden ausgeschlossen. - Uns ist wichtig, dass Familienmitglieder, die nicht altkatholisch sind, in Freiheit entscheiden können, in welcher Kirche sie ihre Kinder taufen lassen. Sie werden nicht unter Druck gesetzt, damit sie übertreten.

  • Uns ist wichtig, dass in unserer Kirche von allen gemeinsam beraten und entschieden wird. Dazu gehört die Wahl des Gemeindevorstandes, die Wahl eines Pfarrers, ebenso wie die Wahl von Vertretern für die Synode und die Wahl des Bischofs. Es ist unsere Kirche, sie wird nicht von oben regiert.

  • Uns ist wichtig, dass Priester heiraten können, wenn sie diese Lebensform wählen. Daher sind die meisten Pfarrer verheiratet, denn es gibt kein Zwangszölibat.

  • Uns ist wichtig, dass Frauen und Männer die Priesterweihe empfangen können. Darum weihen wir auch Frauen zu Priesterinnen.

  • Uns ist wichtig, Menschen, die keiner Kirche mehr angehören, zu verabschieden und ihre Angehörigen in ihrer Trauer zu begleiten.

  • Uns ist wichtig, dass gleichgeschlechtlich liebende Menschen den Segen Gottes für ihre Beziehung erhalten können.

  • Daneben hat sich die Altkatholische Kirche von Anfang an in der Ökumene engagiert. So gab es bereits 1873 und 1874 Konferenzen, an denen anglikanische, evangelische und orthodoxe Vertreter teilnahmen; die Altkatholische Kirche zählt zu den Mitbegründern des Ökumenischen Rates der Kirchen; mit dem Erzbistum Utrecht wurde 1889 eine Kirchengemeinschaft geschlossen; seit 1931 steht sie mit den Anglikanern in voller Kirchengemeinschaft.

Weitere Informationen über die Altkatholiken und ein Verzeichnis der Gemeinden finden Sie unter der Internet-Adresse unseres Bistums www.altkatholiken.at.

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